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Prominente Stimmen gegen Schubhaft

Foto © Michael Morawec
Prominente Unterstützung von Bianca Jagger für die Initiative 'Flucht ist kein Verbrechen' am 14. Flüchtlingsball:
"There are a lot of international declarations to protect refugees: the Declaration of human rights, UN Charters and Conventions and so on. I have been a human rights campaigner for approxi- mately twenty-five years. My experiences have taught me that so-called rights remain meaningless unless they are enforceable and enforced.
Nowadays in many parts of this world new regulations have come into effect, which bring refugee rejections and restrictions. Austria has a long tradition of helping refugees, especially in the 1950s, and during the time of Bruno Kreisky, whom I knew personally. I urge the Austrian government to continue to honour that tradition of assisting refugees.
We must understand that fleeing from persecution and poverty is not a crime. Refugees deserve help and respect, not distrust and refusal. Therefore I strongly support the campaign of Integra- tionshaus and other NGOs 'Fleeing is not a crime' initiative."
[Auszug aus der Eröffnungsrede von Bianca Jagger]
Übersetzung
Einen Artikel und ein Interview finden Sie hier.
 Foto © M. Wegscheidler
"Freiheitsentzug ist eines der schlimmsten Dinge, die einem Menschen angetan werden können. In Österreich geschieht dies Menschen, deren einziges Verbrechen oft darin bestand, hierher geflohen zu sein. In ein Land, das zwar wirtschaftlich blüht, trotzdem aber von einem unerklärlichen 'Angst essen Seele auf'-Reflex beherrscht wird. Was fremd ist, erzeugt Angst und setzt die Repressionsmaschine des Staates in Gang. Doch alles hat seinen Preis: Die Freiheit, die wir Flüchtlingen entziehen, entziehen wir gleichzeitig dem geistigen Klima dieser Republik. Freiheit heißt auch: keine Angst. In diesem Land haben viel zu viele Menschen Angst."
Georg Altziebler/Son of the velvet rat, Songwriter

"Es wäre Zeit, dass Österreich zu den Traditionen früherer Jahre zurückfindet und Menschen, die ihr Heimatland verlassen müssen und auf der Flucht sind, Unterstützung gewährt. Schubhaft ist in jedem Fall eine verletzende Maßnahme - besonders für junge Menschen. Als Jugendpsychiater kenne ich die Traumafolgen, die Jugendliche erleiden."
Univ.-Prof. Dr. Ernst Berger, Facharzt f. Psychiatrie und Neurologie, Psychotherapeut

"Andere Staaten für ihre Grausamkeit und ihre Verbrechen an den Menschen zu verurteilen und zugleich die Opfer dieser Verbrechen, wenn sie einmal da sind, einzusperren, ist ein Beispiel von erschütternder Verlogenheit. Unlängst habe ich einen Tschetschenen bei Ute Bock kennen gelernt. Ein junger Mann, der gerne lacht. Er ist zu Fuß nach Österreich gekommen, ganz allein. Unterwegs hat er alles verloren, nur sein Lachen nicht. Das sieht und hört man auch. Was man aber nicht hört und nur auf Röntgenbildern sehen kann, ist, dass es an seinem Körper kaum einen Knochen gibt, der nicht mindestens einmal gebrochen worden ist. So oft wurde er gemartert. Der Psychologe hier habe gemeint, ein Mensch, der noch lachen kann, kann nicht kriegstraumatisiert sein. Also hat der Tschetschene immer noch kein Asyl. Man wird ihn eines Tages in Schubhaft stecken und dort wird er allen zum Trotz weiterlachen.
Keinem Gesetz, sondern genau solchem Lachen ist es zu verdanken, dass ich meinen Glauben an die Kraft des Menschlichen noch nicht verloren habe."
Dimitré Dinev, Schriftsteller

Foto © Heribert Corn
"Ein Mensch wird nicht durch einen Pass definiert. Was gegenwärtig mit Schubhäftlingen - was für ein Wort, schon das alleine erinnert an Verschubbahnhof und Menschenverschickung - passiert, erinnert an die dunkelsten Kapitel der Geschichte. Dass reiche Länder wie Österreich so etwas notwendig haben, ist beschämend und bestürzend."
Franzobel, Schriftsteller

"wer menschen einsperrt, die sich keines verbrechens schuldig gemacht haben, hat ein prekäres rechtsverständnis. die menschenwürde kann nicht vom zufall, wo man geboren wurde, abhängig gemacht werden. aber genau dies scheint in der österreichischen asylpraxis der fall zu sein. wir dürfen das nicht zulassen. wo wasserdämme brechen, werden die folgen leicht unkalkulierbar. bei rechtsdämmen ist es nicht anders."
Josef Haslinger, Schriftsteller
Foto © Horst Rödding/ Deuticke
"Flucht ist kein Verbrechen, die Internierung von Flüchtlingen, die nichts verbrochen haben, aber sehr wohl. Wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass Menschen, die Zuflucht bei uns suchen, wie Verbrecher behandelt werden? Die Ungarnflüchtlinge waren 1956 so willkommen wie 1968 die Tschechen und Slowaken, denen der Prager Frühling niedergewalzt wurde. Waren die wirklich alle auf Leib und Leben verfolgt? Wurde kontrolliert, ob jemandem der Tod, der Freiheitsentzug oder 'nur' ein unerfreuliches Leben unter einem diktatorischen Regime drohte? Sie alle waren willkommen, weil sie vor dem Kommunismus geflohen waren. Nach den heutigen Gesetzen hätte man Zehntausende in Schubhaftgefängnisse stecken müssen. Die damalige Hilfsbereitschaft der Österreicher war bekanntlich groß. Aber warum zählt die Flucht vor dem Kommunismus mehr, als die Flucht vor Bürgerkriegen, vor Vergewaltigung, vor Hunger oder bloß vor einem aussichtslosen Leben?
Selbst der Integrationsbericht des Innenministeriums konstatiert, dass die Kriminalitätsrate unter Ausländern gering ist. Ich bin für die Änderung des Fremdengesetzes und für die Abschaffung der Schubhaft. Ich bin dafür, dass Asylwerber arbeiten dürfen. Ich bin für ein humanitäres Bleiberecht von Menschen, die sich hier eingelebt haben, egal ob es sich um Arigona und ihre Familie oder um namentlich weniger bekannte Nigerianer handelt. Ich bin für den kulturellen Austausch und gegen den Missbrauch kultureller Unterschiede für politische Zwecke."
Peter Henisch, Schriftsteller

"Menschen, die Ideen, Phantasien und vor allem (was die Flucht beweist) Mut mit zu uns bringen, werden wie Verbrecher ein- gesperrt und dann abgeschoben.
Ein größeres Armutszeugnis ist für ein reiches Land nicht denkbar. Weg mit der Schubhaft!"
Ernst Molden, Liedermacher, Schriftsteller

"Meine Großeltern waren Tschuschen - also Einwanderer, Fremdlinge - der ersten Generation und sie konnten hier Fuß fassen, ohne von Schubhaft bedroht zu werden. Wir leben in Zeiten neuer Völkerwanderungen, unsere Einstellung zu Flucht, Asyl und Fremdheit muß sich gravierend ändern. Wenn nicht, können wir unsere mühsam erworbenen Menschenrechte über Bord werfen und uns getrost einer modernen Barberei und Menschenfeindlichkeit zuwenden. Wollen wir das?"
Erika Pluhar, Künstlerin

"Die katastrophalen Auswirkungen, insbesondere im Bereich der Schubhaft sind unmenschlich und menschenrechtlich höchst bedenklich. Es landen sogar minderjährige und traumatisierte Menschen in Schubhaft. Das im Jänner 2006 in Kraft getretene Fremdenrechtspaket muss zurückgenommen werden. Unterstützen Sie die Initiative 'Flucht ist kein Verbrechen' des Forums Asyl und unterschreiben Sie für eine Änderung der Schubhaft." Willi Resetarits, Integrationshaus
"Abgeschoben zu werden ist die größte Niederlage für einen Migranten, nach dem größten Sieg, dem Betreten von europäischem Boden. Was anderes bleibt ihm übrig, als weiter auf der Flucht zu sein? Nur durch einen Zufall sind wir nicht sie und sie nicht wir. Ohne dass wir einen Einfluss darauf hätten, könnten wir ihr Schicksal haben: als Namenlose, Gesichtslose, ohne Eigentum, ohne Dach über dem Kopf, ohne Mitleid der Bevölkerung und ohne Erlaubnis zu arbeiten, gehasst, verachtet und gemieden.
Ich wünsche mir ein ganz anderes Fremden- und Asylrecht, auch so etwas wie eine Amnestie. Mit der derzeitigen Situation bin ich gar nicht zufrieden. Ich unterstütze daher die Initiative gegen die Schubhaft."
Gerhard Roth, Schriftsteller

"In der Nazi-Zeit waren Tausende ÖsterreicherInnen darauf angewiesen, in fremden Ländern Aufnahme zu finden. Dieses Land hat eine historische Verpflichtung, Schutz suchenden Menschen mit Respekt und einer ausgestreckten Hand zu begegnen. Sie stattdessen der Freiheit zu berauben, ist moralisch wie menschlich unvertretbar. Als Journalist erfuhr ich schon vor 15 Jahren von hungerstreikenden Schubhäftlingen, die einfach auf die Straße gesetzt wurden.
Eine Praxis, die die Schubhaft zur angeblichen Verhinderung des Untertauchens als blanke Farce entlarvte. Das anhaltend mangelnde mediale Interesse an diesem Unrecht war und ist eine wahre Schande."
Robert Rotifer, Musiker, Songwriter, Musikjournalist
Foto ©Schüller
"Gerade Österreich müsste wegen seiner Geschichte und dem unrühmlichen Verhalten eines großen Teils seiner Bevölkerung 1938 heute großherzig und großzügiger als andere Länder sich in Asylfragen verhalten. 1956 unter der Flagge des Antikommu- nismus genossen 100.000 Ungarn Asyl und das Land hielt es aus. Wie wärs unter der Flagge der Menschlichkeit?"
Robert Schindel, Schriftsteller
"Wer verlässt seine Heimat, seine Freunde, sein Haus, seine Arbeit freiwillig? Wer liefert sich gerne auf Gedeih und Verberb an Fremde aus? In den meisten Fällen treibt Not die Menschen zu diesem Schritt. Sie haben ein Recht auf Menschlichkeit. Heute sind es die anderen, morgen sind es vielleicht wir."
Michael Schottenberg, Direktion Volkstheater Wien
Foto ©ORF
"Stellen sie sich einmal vor, wie viel Verzweiflung und welchen Mut es braucht, alles zu verlassen, was einem lieb und teuer ist. Mit der Aussicht auf eine unsichere Zukunft und in einer fremden Umgebung zu leben. Damit fertig werden zu müssen, Monate, Jahre, vielleicht ein ganzes Leben im Exil zu verbringen. Manche von uns sehen Flüchtlinge als Exoten. Manche sehen Flüchtlinge als Arbeitskräfte. Manche sehen sie als Bedrohung. Vielleicht kommen wir einer Lösung näher, wenn wir sie als Menschen sehen!" Barbara Stöckl, TV-Journalistin

"Liebe Mitbürgerin, lieber Mitbürger,
was geht uns das an, wenn ein Nichtsnutz aus Nigeria eingesperrt wird, bevor er weggeschafft wird – denken Sie vielleicht. Oder Sie nehmen an, die Behörden hätten gute Gründe und der Staat handele nach besten Wissen und Gewissen. Leider irren Sie. Die Menschenrechte müssen immer dort verteidigt werden, wo die Schwächsten betroffen sind. Eine Gesellschaft, die zulässt, dass Hilfesuchende wie Verbrecher behandelt werden, kränkelt moralisch. Der Sicherheitsstaat greift nach der ganzen Hand, wenn ihm ein Finger gereicht wird, das heißt: heute ein unbekannter Nigerianer, morgen Ihr Nachbar, übermorgen Sie selbst. Sich dagegen schon früh zu wehren, lohnt sich!"
Ilija Trojanow, Schriftsteller, Übersetzer, Verleger

"Ich unterstütze die Initiative 'Flucht ist kein Verbrechen'
nachdrücklich. Zu viele Menschen in Österreich unterstellen Asylwerbern
kriminelle Absichten und dem muss man mit aller Entschiedenheit
entgegenwirken."
Peter Turrini, Schriftsteller

Foto © Ursus Samaga
"Ich war nur wenige Stunden in Schubhaft. Damals war ich fünfzehn. Meine Eltern und ich wurden an diesem Tag aus den USA abgeschoben. Was ich in jener kurzen Zeit erleben musste, belastet mich bis heute und wird mich wahrscheinlich mein Leben lang begleiten, und doch ist es nur ein Bruchteil von dem, was Schutzsuchende in Österreich durchleiden, die in österreichischen Gefängnissen einsitzen müssen. Flucht ist kein Verbrechen, Unschuldige einzusperren hingegen schon."
Vladimir Vertlib, Schriftsteller
"Menschen in Schubhaft zu nehmen, die nichts verbrochen haben, ist eine Bankrotterklärung für unser Land. Die Schubhaft verursacht gerade die Probleme, für die man Flüchtlinge verurteilt. Damit wir uns nicht für unser Land schämen müssen, müssen wir die Bedingungen der Schubhaft verändern, besser noch sie überhaupt abschaffen."
Renate Welsh, Schriftstellerin
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